
Von Stefan Grundmann
In ganz Deutschland wird gegraben, bis 2030 soll es Glasfaser für alle geben. Aber wer zahlt den Spaß eigentlich? Dieser Beitrag wirft ein Blick auf die Finanzierungsmodelle und klärt auf, was eigenwirtschaftlicher und geförderter Ausbau bedeuten.
Bis zum Jahr 2030 sollen EU-weit allen Privathaushalten, Unternehmen und öffentlichen Einrichtungen superschnelle Netze zur Verfügung stehen. Im Vergleich zu den anderen Mitgliedsstaaten hinkt Deutschland dabei deutlich hinterher. Um das zu ändern, will die Regierung von Friedrich Merz den Glasfaserausbau durch schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren in Deutschland beschleunigen.Aber wer ist für den Ausbau von Glasfaser überhaupt zuständig? Und wie wird er finanziert?
In Deutschland gilt für den Ausbau das Grundprinzip „Markt vor Staat“. Private Telekommunikationsunternehmen bauen auf eigene Kosten Giganetze – also Glasfaser und 5G-Mobilfunk – aus und tragen damit den Großteil der Gesamtinvestitionen. Laut Gigabitbüro liegen diese zwischen 50 und 90 Mrd. Euro. Bis März 2025 wurden rund 92 Prozent aller Ausbauprojekte von den Netzbetreibern finanziert, knapp 8 Prozent der Anschlüsse wurden durch den Einsatz von Fördermitteln realisiert, so das Ergebnis der BREKO-Marktanalyse aus dem April 2025.
Für den eigenwirtschaftlichen Ausbau ist ein Kooperationsvertrag, den das Unternehmen mit der Stadt oder Gemeinde abschließt, nicht notwendig, die Unterstützung der Kommune kann aber durchaus hilfreich sein. Bevor der erste Bagger anrollt, beginnt die Vorvermarktung. Nur wenn ausreichend Vorverträge mit den Gewerbetreibenden bzw. Haushalten im betreffenden Gebiet abgeschlossen werden konnten, wird gebaut. Die zu erreichende Quote liegt in der Regel bei 20 bis 40 Prozent im betreffenden Anschlussgebiet, damit sich das Projekt rechnet.
Vorteil des eigenwirtschaftlichen Ausbaus für die Netzbetreiber: Sie liefern schnelles Internet im eigenen Netz und damit auf eigene Rechnung an die Kundinnen und Kunden. Zudem können sie die Leitungen später gegen Nutzungsentgelt auch anderen Anbietern zur Verfügung stellen.
Ein lukratives Geschäftsmodell – so verlockend, dass in den vergangenen Jahren viele Unternehmen begannen, quer durch die Republik Glasfaser zu verlegen. Laut Bundesnetzagentur treiben rund 300 Unternehmen Ausbau in Deutschland voran. Die Euphorie wurde und wird durch bürokratische Hürden und langwierige Genehmigungsverfahren aber immer wieder gebremst, bemängeln neben den Telekommunikationsanbietern auch die Verbände VATM und BREKO – das will die Bundesregierung ja nun ändern.
Doch auch die zögernden Konsumenten, die beim Thema Glasfaser lieber noch abwarten, drosseln das Tempo beim Ausbau. Um die eigenen Netze trotzdem auszulasten und Einnahmen zu sichern, kooperieren immer mehr Anbieter und setzen zunehmend auf Open Access (lesen Sie dazu auch Beitrag über die Plusnet-Bestrebungen zum Thema Open Access.
In dünn besiedelten Gebieten, insbesondere auf dem Land, ist ein Ausbau auf eigene Rechnung für die Glasfaserunternehmen meist nicht wirtschaftlich. Um den Haushalten und Unternehmen auch hier schnelle Internetverbindungen bieten zu können, unterstützen EU, Bund und Länder den Ausbau von Gigabitnetzen mit Fördermitteln.
Die Empfänger der Mittel sind immer die Kommunen, die bei der Umsetzung zwischen verschiedenen Modellen wählen können.
Im Jahr 2024 wurden mehr als 560 Projekte deutschlandweit mit insgesamt 2 Milliarden Euro aus Bundesmitteln unterstützt, wodurch über 440.000 Anschlüsse ermöglicht und rund 1.700 Gemeinden gefördert wurden.
Im Januar 2025 startete die Bundesregierung einen neuen Förderaufruf, die sogenannte Gigabitförderung 2.0. In diesem Jahr stehen rund 1,2 Mrd. Euro bereit.
Beim Glasfaserausbau bietet der eigenwirtschaftliche Ausbau die besseren Einnahmemöglichkeiten, aber das Risiko, im Wettbewerb zu bestehen, ist größer. Um nachhaltig neben Telekom & Co. zu bestehen, werden viele Anbieter künftig vermutlich immer mehr auf Kooperationen und Open Access setzen.
Beim geförderten Ausbau sind die Erträge überschaubarer aber auch planbarer. Lange Planungs- und Genehmigungsphasen und Ausschreibungsprozederes machen diesen Weg für die Netzbetreiber beschwerlicher. Zudem sind die Chancen, eine Förderung zu erhalten, nicht gerade erbaulich: Im Jahr 2024 seien 90 Prozent mehr Fördermittel beantragt worden als verfügbar, sagte dazu Sven Knapp, Hauptstadtbüroleiter beim Bundesverband Breitbandkommunikation (Breko), gegenüber heise.de.