Fiberdays 2026

Netbridge setzt Impulse für skalierbaren Open Access

Dennis Knake

Von Dennis Knake

Veröffentlicht am 31.03.2026
Panel Familienfoto auf den Fiberdays 2026
  • Open Access ist in der deutschen Glasfaserbranche keine Grundsatzfrage mehr – die Fiberdays 2026 machten deutlich, dass es jetzt auf operative Umsetzung, Standardisierung und skalierbare Plattformen ankommt.
  •  Plusnet hat auf der Messe zwei neue Kooperationen auf ihrer Connectivity-Handelsplattform Netbridge bekanntgegeben: Stiegeler Internet Service als regionaler Vermarktungspartner in Baden-Württemberg und OXG Glasfaser als weiterer, urbaner Infrastrukturpartner.
  • Jürgen Rohr, Executive Director Carrier Management bei Plusnet, brachte im Branchenpanel den zentralen Gedanken auf den Punkt: Wer jedes Netz einzeln anbindet, verliert Zeit, Geld und Skalierung – Aggregation ist der schnellere Weg zur Wirtschaftlichkeit.

Auf Deutschlands führender Glasfasermesse, den Fiberdays 2026 am 25. und 26. März in Frankfurt, herrschte Aufbruchstimmung. Laut Veranstalter BREKO verzeichnete die Messe rund 11.300 Besucher und 318 Aussteller auf 18.000 Quadratmetern – ein weiteres Wachstum gegenüber dem Vorjahr. Plusnet war in Halle 3.1, Stand E45 präsent und nutzte die Messe für mehr als Standgespräche: Mit zwei neuen Kooperationsankündigungen im Bereich Vermarktung und Netzkoppelung sowie einem viel beachteten Panelauftritt positionierte Plusnet ihre Connectivity-Handelsplattform Netbridge als zentrale Antwort auf eine der drängendsten Fragen der Branche

Die Branche hat die Grundsatzdebatte um Open Access hinter sich gelassen. Jetzt geht es in die Umsetzung. Plusnet war mit  neuen Kooperationen und einem Panelbeitrag präsent und lieferte konkrete Antworten auf die drängendste Frage: Wie lässt sich Open Access vom bilateralen Projekt zur skalierbaren Infrastruktur machen?

Neue Kooperationen stärken die Netbridge

Noch vor Messebeginn machte Plusnet Nägel mit Köpfen: Am 23. März 2026 wurde die Wholesale-Vereinbarung mit Stiegeler Internet Service bekannt. Über die Netbridge erhält der regionale Internetanbieter aus Baden-Württemberg künftig Bitstream-Access-Vorleistungen (BSA – standardisierte Zugangsdienste auf der Glasfaserinfrastruktur Dritter) und kann sein Versorgungsgebiet in weitere Landkreise und Gemeinden erweitern, ohne selbst ausbauen zu müssen. „Gerade regionale Anbieter brauchen einen einfachen und wirtschaftlichen Zugang zu zusätzlicher Glasfaserreichweite", erklärte Jürgen Rohr, Executive Director Carrier Management bei Plusnet. „Mit Netbridge reduzieren wir die technische und vertragliche Komplexität und schaffen die Grundlage dafür, dass Vermarkter wie Stiegeler ihren Kunden schneller moderne Glasfaseranschlüsse anbieten können."

Schon tags darauf verkündete Plusnet die Kooperation mit ETC One, einem Technologiepartner, der es sich zur Aufgabe gemacht hat, kleineren Infrastrukturanbietern bei der technischen Umsetzung zur Netzkoppelung wie etwqa mit der Netbridge zur Seite zu stehen. 

Partnerschaft mit OXG: Robert Jelinek-Nacke mit Stefan Rüter

Robert Jelinek-Nacke, CFO & Geschäftsführer Wholesale bei Plusnet und Stefan Rüter, Geschäftsführer bei OXG besiegeln die Netzkopplung beider Plattformen auf den Fiberdays per Handschlag. Foto: D. Knake/Plusnet    

 

Am zweiten Messetag folgte die nächste Meldung: Plusnet und OXG Glasfaser – ein Joint Venture von Vodafone und Altice mit Fokus auf FTTH-Infrastruktur im urbanen Umfeld – vereinbarten eine Netzkooperation. OXG-Netze werden über die Netbridge erschlossen und stehen damit Wholesale- oder Resale-Partnern, vertrieblichen Vermittlungspartnern sowie Plusnet zur B2B-Direktvermarktung zur Verfügung. „Mit OXG erweitern wir die FTTH-Reichweite der Netbridge um einen weiteren relevanten Ausbaupartner im städtischen Umfeld", so Jürgen Rohr. Stefan Rüter, Geschäftsführer von OXG, ergänzte: Die Kooperation stärke den offenen Netzzugang, fördere den Wettbewerb und schaffe für Haushalte und Unternehmen in den OXG-Ausbauregionen künftig eine größere Auswahl an leistungsstarken Internettarifen. Der Vermarktungsstart ist für die zweite Jahreshälfte 2026 geplant.

Das Panel: Open Access steht und fällt mit der Umsetzung

Den inhaltlichen Höhepunkt des zweiten Messetages bildete das Panel „Open Access und Kooperationen", moderiert von Dr. Ernst-Olav Ruhle, Vorstandsvorsitzender der SBR-net Consulting. Auf der Bühne diskutierten neben Jürgen Rohr Vertreter von 1&1 Versatel, VSE Net, Glasfaser Nordwest, Stadtnetz Neustadt am Rübenberge und EWE Tel – ein breites Spektrum an Kooperationsmodellen, von finanzierungsbasierter Infrastrukturpartnerschaft über den Wholesale-only-Ansatz bis hin zur Aggregation.

Panel Familienfoto auf den Fiberdays

Familienfoto vom Fiberdays Panel: (v.l.n.r.): Steven Blount (EWE-Tel), Jürgen Rohr (Plusnet), Frank Rosenberger (1&1 versatel), Kai Pigorsch (Glasfaser Nordwest), Marc Kahabka (VSE Net Group), Dieter Lindauer (Stadtwerke Neustadt a.Rbg.) - Foto: D. Knake/Plusnet    

 

Ein Befund zog sich als roter Faden durch die Diskussion: Open Access ist nicht mehr eine Frage des Ob, sondern des Wie. Frank Rosenberger, CEO von 1&1 Versatel, brachte es auf den Punkt: Letztes Jahr habe man noch über das Ob diskutiert, in diesem Jahr gehe es vor allem um Skalierung, Standardisierung und echte Partnerschaft. Kai Pigorsch, Geschäftsführer der Glasfaser Nordwest, bestätigte aus der Praxis: Neue Partnerschaften seien zuletzt innerhalb von vier bis sechs Monaten vom Vertragsabschluss bis zur ersten Kundenaktivierung gebracht worden. Der Markt bewege sich schneller als die Regulierung.

Aggregation als Antwort auf Fragmentierung

Jürgen Rohr beschrieb in seinem Eröffnungsstatement die Ausgangslage klar: über 300 Netzbetreiber in Deutschland, unterschiedliche Prozesse und Schnittstellen, hoher Integrationsaufwand bei jeder bilateralen Zusammenarbeit. „Open Access scheitert meist nicht an der Idee, sondern an der operativen Komplexität. Wer jedes Netz einzeln anbindet, verliert Zeit, Geld und am Ende Skalierung." Die Antwort: Aggregation. Statt vieler Punkt-zu-Punkt-Anbindungen bündelt die Netbridge Glasfasernetze verschiedener Betreiber unter einer einheitlichen Plattform – mit standardisierten SLAs (Service Level Agreements), einheitlichem Pricing und einem zentralen Bestell- und Bereitstellungsprozess. „Kooperation ist der schnellere Weg zur Wirtschaftlichkeit. Wir wollen Open Access so einfach machen, dass wir aus Reichweiten tatsächlich reale Nutzung machen", so Rohr.

Open Access scheitert meist nicht an der Idee, sondern an der operativen Komplexität. Wer jedes Netz einzeln anbindet, verliert Zeit, Geld und am Ende Skalierung.
Jürgen Rohr, Executive Director Carrier Management, Plusnet
 

Die Plattform umfasst heute eine Reichweite von rund 12,5 Millionen Homes Passed (erschlossene Haushalte und Gewerbeeinheiten) über ein wachsendes Netzwerk an Partnern, darunter Deutsche GigaNetz, Deutsche Telekom, R-KOM, westconnect, OXG, Glasfaser Nordwest und weitere. Wie tragfähig solche Modelle sind, belegte auch EWE-Tel-Vertreter Steven Blount im Panel mit einem eigenen konkreten Beispiel: EWE Tel macht seit 2018 aktiv Open Access und habe durch die Öffnung weniger als fünf Prozent eigener Kunden verloren, dafür aber 100.000 neue Kunden auf das Netz geholt.

Fazit: Aufbruchstimmung mit klarem Kurs

Jürgen Rohr brachte die Messestimmung am Ende des Panels treffend auf den Punkt: „Ganz viele Gespräche, eine tolle Aufbruchstimmung und Verkündung von Kooperationen, die für uns wichtig sind." Genau das ist das Bild, mit dem Plusnet die Fiberdays 2026 verlässt: zwei neue Partnerschaften auf der Netbridge, ein Panelbeitrag, der den Plattformgedanken in den Mittelpunkt der Branchendebatte gerückt hat, und eine Plattform, die sich Schritt für Schritt zur zentralen Handelsplattform für Open Access in Deutschland entwickelt.  

 

Die nächsten Fiberdays sind für den 17. und 18. Februar 2027 geplant.

Dennis Knake

Autor des Beitrags

Dennis Knake (Jg. 1975) ist Senior Manager Unternehmenskommunikation der Plusnet GmbH. Von Mitte 2016 bis Ende 2022 war er als Communication Manager im Bereich Internet of Things (IoT) tätig. Von 2004-2016 verantwortete er als Pressesprecher der QSC AG (heute q.beyond) die ITK-Fachthemen und gestaltete maßgeblich die Social Media Strategie des Unternehmens mit. Der gelernte Redakteur arbeitete zuvor bei verschiedenen Tageszeitungen vor allem im Bereich Online-Produktion und schloss 2003 sein Volontariat bei einer großen deutschen Verlagsgruppe ab.