VATM Marktstudie 2026

Glasfaser: Telekom-Wettbewerber übernehmen Hauptverantwortung für Digitalisierung 

Mehr Regulierung für bessere Preise und Wettbewerb im B2B-Markt notwendig
Dennis Knake

Von Dennis Knake

Veröffentlicht am 20.05.2026
Grauer Hintergrund Keyvisual Welle
  • Die Deutsche Telekom erreicht 2026 im Geschäftskundenmarkt rund 70 Prozent Marktanteil – dies könnte zu monopolbedingten Preiserhöhungen führen und damit zu einem strukturellen Problem für Geschäftskunden die auf faire Preise angewiesen sind.
  • Glasfaser kommt voran: 32 Millionen Haushalte und KMU sind erreichbar, doch nur 7,8 Millionen nutzen einen Glasfaseranschluss aktiv – die Lücke zwischen Ausbau und Nachfrage bleibt die zentrale Herausforderung.
  • Die anstehende TKG-Novelle entscheidet, ob die Kupfer-Glasfaser-Migration zu fairen Wettbewerbsbedingungen gelingt – oder ob strukturelle Marktmacht den Übergang einseitig prägt.

Für die meisten Unternehmen ist die Novelle des Telekommunikationsgesetzes (TKG) kein Thema, das auf der Agenda des Tagesgeschäfts auftaucht. Dabei entscheidet sie mit darüber, unter welchen Bedingungen Geschäftskundenanbieter ihre Kunden künftig mit Telekommunikationsdiensten versorgen können, wie die Anbieter im Wettbewerb stehen, wie unterschiedlich Produkte und Preise sind – und ob der Wechsel von DSL auf Glasfaser reibungslos oder einseitig verläuft.

Die aktuelle VATM-Marktstudie macht den Handlungsdruck auf den Gesetzgeber, aber vor allem auch auf die Regulierungsbehörde konkret.

Einmal im Jahr legt Dialog Consult gemeinsam mit dem VATM eine Bestandsaufnahme des deutschen TK-Marktes vor. Die 27. TK-Marktanalyse 2026, am 12. Mai in Köln vorgestellt, ist mehr als Marktbeobachtung. Sie zeigt, wo strukturelle Schieflagen entstehen, die sich auf Preise, Verfügbarkeit und Qualität von Geschäftskunden-Konnektivität auswirken.

Der Festnetzmarkt: Telekom gewinnt, Wettbewerber verlieren

Der Gesamtmarkt wächst 2026 auf 61,3 Milliarden Euro, stabil, aber nicht dynamisch. Im Festnetz steigert die Deutsche Telekom ihren Umsatz um rund 800 Millionen Euro, während die Wettbewerber zusammen rund 600 Millionen Euro verlieren. Studienautor Andreas Walter in der Pressekonferenz: „Das ist ein eigentlich verheerendes Bild für die Wettbewerbssituation im Festnetzmarkt." Die Telekom hält heute rund 58,5 Prozent Umsatzanteil im Festnetz, mit steigender Tendenz.

VATM Marktstudie 2026 - Geschäftskundenmarkt
Geschäftskunden: Marktanteil der Telekom nicht hilfreich für Wettbewerb und Preise

Besonders ausgeprägt ist die Verschiebung im Geschäftskundenbereich. Dieser Teilmarkt (Festnetz und Mobilfunk für Geschäftskunden zusammen) hat ein Volumen von rund 22,2 Milliarden Euro, und die Telekom wird darin 2026 einen Marktanteil von 68,1 Prozent erreichen. 2023 lag dieser Wert noch bei 61,7 Prozent. Die Wettbewerber verlieren weiter: Ihr Umsatz sinkt auf 6,8 Milliarden Euro.

Walter benennt regulatorische Ursachen: Wettbewerber erhalten unter anderem von der Telekom keinen Zugang zu Dark Fiber (passive Glasfaserinfrastruktur, die sie als eigenständige Leitung nutzen könnten), während die Telekom diese Infrastrukturebene bei Kooperationen umgekehrt einfordert. Darüber hinaus fehlt es bislang noch an einer effizienten Preisregulierung.

VATM-Präsidentin Valentina Daiber formuliert es in der begleitenden Pressemitteilung klar: „Regulierung light reicht eben nicht aus, wenn strukturelle Marktmacht fortbesteht."

„Die Bundesnetzagentur hat daher zurecht in ihrem Eckpunktepapier zur anstehenden Regulierungsverfügung eine Verschärfung der Regulierung sowohl im Hinblick auf die Entgeltgenehmigung als auch die Aufnahme der unbeschalteten Glasfaser angekündigt“, meint auch Carina Panek, Leiterin Recht & Regulierung der Plusnet GmbH und Mitglied im Präsidium des VATM

VATM Marktstudie 2026 - Invest Wettbewerber
Glasfaserausbau: Wettbewerber investieren unter hohem Druck

32 Millionen Haushalte und KMU können Ende 2026 über Glasfaser (FTTB/H – Fiber to the Building/Home) erreicht werden. Von den 12,5 Millionen tatsächlich angeschlossenen Haushalten (Homes Connected) werden fast 70 Prozent von Wettbewerbern versorgt, nicht von der Telekom. Auch bei aktiven Kunden liegen die Wettbewerber vorn: Ihre Take-up-Rate – das Verhältnis zwischen erreichbaren und tatsächlich gebuchten Anschlüssen – beträgt 30,2 Prozent, gegenüber 17,9 Prozent bei der Telekom.

Walter erklärt den Unterschied strukturell: „Die Telekom muss nicht so Gas geben, weil sie auch mit Kunden verdient, die nicht aufs Glasfasernetz wechseln. Solange sie DSL-Kunden sind, verdient die Telekom in jedem Fall mit." Für alternative Anbieter ist jeder nicht aktivierte Anschluss ein direkter Umsatzausfall. Im schrumpfenden DSL-Markt wächst der Telekom-Anteil unterdessen auf 59,2 Prozent der aktuell noch 21,8 Millionen Anschlüsse.

Kundenakzeptanz und TKG-Novelle: Die entscheidende Phase

7,8 Millionen aktive Glasfaserkunden stehen 32 Millionen erreichbaren Haushalten gegenüber. Die Gesamtquote genutzter Anschlüsse stagniert bei 24,4 Prozent. Daiber benennt das Problem: „Ein Glasfaseranschluss, der am Haus vorbeiführt, aber nicht genutzt wird, ist noch kein Erfolg für die digitale Transformation."

Die Nachfrage wächst zwar, getrieben durch steigende Datenmengen (2026: 187,5 Exabyte über Festnetze, plus 12,3 Prozent) und neue Anwendungen wie KI. Die Studie prognostiziert dennoch: Selbst im optimistischen Szenario löst Glasfaser DSL als meistgenutzte Anschlusstechnologie erst 2031 ab.

Auf dem FTTH-Netz der Telekom kommen Wettbewerber bislang kaum zum Zug: Nur rund 10 Prozent der aktiven Anschlüsse entfallen auf Endkunden alternativer Anbieter, die über Wholesale-Vereinbarungen auf die Telekom-Infrastruktur zugreifen. Daher ist es wichtig, dass durch die in den nächsten Jahren anstehende Kupfer-Glas-Migration diese Situation nicht noch weiter zu Lasten des Wettbewerbs verschärft wird.

Mit der Migration darf vor allem keine Re-Monopolisierung des Marktes einhergehen.
Veronika Daiber, VATM-Präsidentin
 

Der VATM erwartet von der anstehenden TKG-Novelle (Novelle des Telekommunikationsgesetzes) neben einer wirksame asymmetrischen Regulierung vor allem eine faire und diskriminierungsfreie Ausgestaltung der Kupfer-Glas-Migration, so dass auch alternative Infrastrukturanbieter von dieser profitieren.

„Durch das TKG können jetzt schon die ersten richtigen und wichtigen Weichenstellungen für eine erfolgreiche und wettbewerbsfördernde Kupfer-Glas-Migration gestellt werden“, so Carina Panek weiter. „Dafür ist es auf der einen Seite wichtig, dass diese diskriminierungsfrei zu Gunsten der alternativen Netze ausgestaltet wird, auf der anderen Seite ist es aber auch für die Nachfrager essenziell, dass die in Zukunft benötigten Vorleistungen standardisiert und Prozesse effizient ausgestaltet werden.“

Das Bundesministerium für Digitales und Staatsmodernisierung hat Anfang 2026 den Referentenentwurf eines TKG-Änderungsgesetzes vorgelegt, eine Überarbeitung des Telekommunikationsgesetzes, das den rechtlichen Rahmen für Netzzugang, Wettbewerb und die Rolle der Bundesnetzagentur in Deutschland festlegt. Auslöser sind veränderte Marktstrukturen und neue europäische Vorgaben

Die drei zentralen Ziele: Anpassung an die europäische Gigabit-Infrastrukturverordnung, Beschleunigung des Netzausbaus und die Schaffung eines effizienteren Zugangsregimes zur Förderung des Wettbewerbs.

Die VATM-Marktstudie 2026 liefert dafür eine klare, faktenbasierte Grundlage.

Dennis Knake

Autor des Beitrags

Dennis Knake (Jg. 1975) ist Senior Manager Unternehmenskommunikation der Plusnet GmbH. Von Mitte 2016 bis Ende 2022 war er als Communication Manager im Bereich Internet of Things (IoT) tätig. Von 2004-2016 verantwortete er als Pressesprecher der QSC AG (heute q.beyond) die ITK-Fachthemen und gestaltete maßgeblich die Social Media Strategie des Unternehmens mit. Der gelernte Redakteur arbeitete zuvor bei verschiedenen Tageszeitungen vor allem im Bereich Online-Produktion und schloss 2003 sein Volontariat bei einer großen deutschen Verlagsgruppe ab.