
Von Dennis Knake
Welt Passwort Tag
Jeden ersten Donnerstag im Mai erinnert der Welt-Passwort-Tag daran, die eigene Passwort-Hygiene zu überprüfen. Doch die Idee dahinter ist alles andere als neu. „Sesam, öffne dich", der Zauberspruch aus Tausendundeiner Nacht, mit dem Ali Baba die Höhle der vierzig Räuber öffnet, ist wohl das bekannteste fiktive Passwort der Weltliteratur. Es illustriert ein Prinzip, das die Menschheit seit Jahrtausenden beschäftigt: Zugang nur für den, der das richtige Wort kennt.
Bereits im antiken Rom setzten Militäreinheiten auf geheime Losungswörter. Wachen an Stadttoren und Lagerausgängen kontrollierten mithilfe täglich wechselnder Wörter, wer als Verbündeter passieren durfte. Der griechische Geschichtsschreiber Polybios beschrieb dieses System im 2. Jahrhundert v. Chr. als festen Bestandteil römischer Militärorganisation. Das Grundprinzip ist verblüffend modern: Wer das Wort nicht kannte, kam nicht durch.
Knapp 2.100 Jahre später, im Jahr 1961, zog das Passwort in die Computertechnik ein. Fernando Corbató entwickelte am Massachusetts Institute of Technology (MIT) das Compatible Time-Sharing System (CTSS), das erste System, das mehreren Nutzenden privaten Dateizugriff auf einem gemeinsam genutzten Großrechner ermöglichte.
Die Passwörter waren dabei als einfache Textdatei abgelegt. Bereits 1962 nutzte ein Doktorand diese Schwäche aus und druckte die gesamte Passwortliste aus, um mehr Rechenzeit für seine eigene Forschung abzuzweigen. Der erste Passwort-Hack der Computergeschichte, und er ist symptomatisch für alles, was danach kommen sollte.
Heute verwaltet eine Person mit aktivem digitalem Leben im Durchschnitt rund 100 Passwörter. Das menschliche Gedächtnis ist dafür schlicht nicht gebaut – was direkt zur nächsten Frage führt.

Das wohl bekannteste Passwort der Weltgeschichte: „Sesam, öffne dich" öffnet in „Tausendundeine Nacht" die Schatzhöhle der vierzig Räuber. Es gelangte erstmals 1709 durch den französischen Orientalisten Antoine Galland aus dem Arabischen „Iftah ya simsim" nach Europa. Illustration: ChatGPT
Die Bedrohungslage hat sich in den vergangenen Jahren grundlegend verändert. Angreifer setzen heute auf sogenanntes Credential Stuffing (automatisiertes Ausprobieren gestohlener Zugangsdaten aus Datenlecks auf möglichst vielen Plattformen) und das in industriellem Maßstab. Wer dasselbe Passwort bei mehreren Diensten verwendet, setzt sich damit einem erheblichen Risiko aus.
Die wirtschaftlichen Folgen sind messbar: Laut dem IBM Cost of a Data Breach Report 2024 belaufen sich die durchschnittlichen Kosten nur einer Datenschutzverletzung weltweit auf 4,88 Millionen US-Dollar . Auch wenn dieser Wert vor allem Unternehmen betrifft: Das Einfallstor sind häufig schwache oder mehrfach verwendete Passwörter einzelner Mitarbeitender.
Eine Statista-Erhebung aus dem Jahr 2024 zeigt, dass rund 57 Prozent der befragten deutschen Internetnutzenden angeben, teilweise dasselbe Passwort für unterschiedliche Online-Dienste zu verwenden. Nur 33 Prozent nutzen konsequent individuelle Zugangsdaten.
Was man tun sollte
Was man vermeiden sollte
Angesichts von durchschnittlich 100 Passwörtern pro Person liegt der Gedanke nahe, alle Zugangsdaten in einer einzigen verschlüsselten Anwendung zu verwalten, dem Passwortmanager. Doch ist das wirklich sicher?
Das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) hat im ersten Halbjahr 2025 gemeinsam mit dem FZI Forschungszentrum Informatik zehn gängige Passwortmanager technisch untersucht. Das Ergebnis: Es gibt Qualitätsunterschiede, aber keine grundsätzlichen Einwände gegen den Einsatz. Im Gegenteil, das BSI spricht eine klare Empfehlung aus.
Drei Argumente pro Passwortmanager
Drei Argumente contra Passwortmanager
Das Fazit des BSI bringt es auf den Punkt: „Passwörter wiederzuverwenden oder schwache Passwörter zu nutzen kann zu erhöhten Phishing-Anfälligkeiten führen, sodass die Risiken, keine Passwortmanager zu nutzen, deutlich größer sind als die Implementierungsmängel einzelner Produkte.“ Wer einen Manager mit Ende-zu-Ende-Verschlüsselung und regelmäßigen Sicherheitsaudits wählt und ihn mit einem starken Masterpasswort sowie 2FA absichert, ist deutlich besser aufgestellt als ohne.
Passwörter begleiten die Menschheit seit Jahrtausenden. Was sich verändert hat, ist das Tempo und der Umfang der Bedrohung. Der Welt-Passwort-Tag am 7. Mai ist kein Marketingereignis, sondern eine konkrete Einladung: Wie lange wurde das Passwort zum E-Mail-Konto nicht geändert? Gibt es noch Dienste, bei denen dasselbe Passwort wie anderswo im Einsatz ist? Ist überall 2FA aktiviert?
Wer diese Fragen heute mit einem kritischen Blick beantwortet, schließt eines der häufigsten und vermeidbaren Einfallstore für Angreifer. Das braucht keine Expertise, nur ein paar Minuten und die richtigen Werkzeuge.