
Von Wolfgang Schüschke

Gründungstreffen des Deutschen Fraud Forum e.V. bei Plusnet im April 2026. Foto: Maja Preisig
Ende April 2026 war Plusnet Gastgeber eines Treffens, das mehr war als eine reguläre Arbeitsgruppensitzung: In den Räumen am Kölner Standort gründeten die Delegierten des Deutschen Fraud Forums (DFF) an diesem Tag offiziell einen eingetragenen Verein. Eine Meldung, die in der Branche Gewicht hat – und die zeigt, wie ernst Telekommunikationsanbieter in Deutschland die koordinierte Betrugsbekämpfung nehmen.
Das DFF existiert bereits seit 1999 – gegründet als Reaktion auf eine wachsende Zahl von Missbrauchsfällen in Telekommunikationsnetzen. Seitdem hat es sich zur zentralen Plattform der TK-Branche im deutschsprachigen Raum entwickelt. Die Gemeinschaft ist freiwillig, nicht kommerziell und unabhängig. Heute zählt sie über 40 Mitgliedsunternehmen und rund 410 aktive Teilnehmer aus Sicherheits- und Fraud-Teams der Branche. Assoziierte Mitglieder wie CRIF, Experian, IDnow, LexisNexis, NECT, die SCHUFA Holding AG oder RISK IDENT ergänzen das Netzwerk um externe Expertise aus den Bereichen Identitätsprüfung, Bonitätsauskunft und Betrugserkennung.
Das Ziel des DFF ist klar definiert: Erfahrungen und Informationen bündeln, anbieterübergreifende Betrugsszenarien frühzeitig erkennen und sowohl präventive als auch reaktive Maßnahmen gemeinsam erarbeiten. Dazu kommen die enge Zusammenarbeit mit Strafverfolgungsbehörden und die Vernetzung mit anderen Wirtschafts- und Fachforen. Jahrestagungen, an denen neben den Mitgliedsdelegierten auch Vertreter von Strafverfolgungsbehörden und externe Interessierte teilnehmen, sowie regelmäßige Arbeitsgruppentreffen bilden den Rahmen für diesen kontinuierlichen Austausch.
Telekommunikationsnetze sind heute ein bevorzugtes Werkzeug organisierter Kriminalität. Einzelne Anbieter können dem kaum allein begegnen – die Täterstrukturen sind international, die Angriffsmuster wechseln schnell, und der Schaden trifft sowohl Endkunden als auch Provider direkt.
Laut Polizeilicher Kriminalstatistik 2025 wurden im Inland 681.354 Betrugsdelikte registriert – gleichzeitig stiegen die aus dem Ausland begangenen Betrugsfälle auf 549.385, mit einer Aufklärungsquote von nur 3,8 Prozent. Dahinter stecken vor allem professionell organisierte Callcenter, die gezielt aus dem Ausland operieren – mit Enkeltrick, Schockanrufen und Banking-Fraud als Kernmaschen. Genau hier setzt das DFF an: Der strukturierte Austausch unter Wettbewerbern – der gesetzlich eng geregelt ist – schafft einen Informationsvorsprung, den kein Unternehmen allein aufbauen könnte.
Das zweitägige Arbeitsgruppentreffen am 22. und 23. April 2026 bei Plusnet in Köln hatte eine dichte Agenda. Im Zentrum stand unter anderem die Frage, wie Anbieter illegale Callcenter erkennen können und was der rechtliche Rahmen für Gegenmaßnahmen hergibt.
Denn diese Callcenter sind kein Randphänomen: Sie werden für Enkeltricks, Schockanrufe und Banking-Fraud eingesetzt – Maschen, bei denen Täter nicht nur ältere Menschen unter Druck setzen und hohe Geldsummen erpressen. Die Detektion solcher Strukturen ist technisch anspruchsvoll. Gleichzeitig müssen Anbieter dabei das Spannungsfeld zwischen Datenschutz und dem Schutz ihrer Teilnehmerinnen und Teilnehmer navigieren – ein rechtlich komplexes Terrain, das beim Treffen ausführlich diskutiert wurde. Klare gesetzliche Rahmenbedingungen fehlen in Teilen noch.
Ein weiteres Schwerpunktthema war SIM-Swapping – eine Betrugsform, bei der Täter eine Mobilfunknummer auf eine eigene SIM-Karte portieren und damit Zugangsdaten für Banking-Apps oder Zwei-Faktor-Authentifizierungen abgreifen. Auch Provisionsbetrug durch Vertriebspartner stand auf der Agenda: Eine Thematik, die Anbieter direkt in der Bilanz trifft und die schwer zu detektieren ist, solange Informationen nicht branchenweit geteilt werden.
Das wichtigste Ereignis des Treffens war die formelle Gründung des Deutschen Fraud Forums als eingetragener Verein (e.V.). Das DFF gab es als Interessengemeinschaft bereits seit mehr als 25 Jahren – die Vereinsgründung verleiht der Organisation nun eine klarere Rechtsstruktur, stärkere Handlungsfähigkeit nach außen und eine solidere Grundlage für die Zusammenarbeit mit Behörden, Gesetzgebern und weiteren Partnern aus Wirtschaft und Forschung.
Dass dieses Gründungstreffen in den Räumen von Plusnet stattfand, ist für uns mehr als eine logistische Fußnote. Es steht für das Selbstverständnis, mit dem Plusnet Verantwortung in der Branche übernimmt: als aktiver Mitgestalter statt stiller Zaungast.
Die nächste Gelegenheit zum Austausch folgt bereits im November 2026: Die 27. Jahrestagung des DFF findet am 4. und 5. November in Hamburg statt. Neben den Delegierten der Mitgliedsunternehmen nehmen regelmäßig auch Vertreterinnen und Vertreter von Ermittlungsbehörden und Strafverfolgung, Banken und diversen Wirtschaftsunternehmen teil – ein Format, das zeigt, wie eng das DFF mit den zuständigen Behörden zusammenarbeitet und den Austausch in andere Branchen fördert.
Betrug in Telekommunikationsnetzen wird nicht verschwinden. Aber mit einer gestärkten Gemeinschaft, klareren Strukturen und einem wachsenden Netzwerk aus über 40 Unternehmen hat die DFF e.V. eine gute Basis, um die Bedrohungslage aktiv mitzugestalten – zum Schutz der Endkundinnen und Endkunden und der Anbieter gleichermaßen.