
Von Dennis Knake
Business Internet

Die meisten deutschen Unternehmen sitzen noch auf Kupfer. Bis Ende 2026 schätzt der VATM rund 21,8 Mio. aktive DSL-Anschlüsse gegenüber 7,8 Mio. aktiven Glasfaseranschlüssen. Glasfaser erreicht damit erst 20,5% Prozent aller Festnetzanschlüsse. Wer als Unternehmer heute über eine neue Anbindung entscheidet, wählt selten zwischen Idealzuständen. Er wählt zwischen dem, was am Standort tatsächlich verfügbar ist, um den Business-Bedarf heute und zukünftig abzudecken, und der Frage, wie er für die Hauptleitung größtmögliche Ausfallsicherheit schafft.
Bei der Wahl der richtigen Access-Technologie genügt es nicht, auf die Geschwindigkeit zu achten. Die Latenz, die Zeit für Hin- und Rückweg eines Datenpakets, entscheidet über die Tauglichkeit im Alltag. Beispielsweise für Telefonie und Videokonferenzen oder echtzeitkritische Anwendungen.
Glasfaser liegt mit einer Latenz von unter 5 bis 10 Millisekunden im Referenzbereich. Perfekt geeignet für Telefonie und große Videokonferenzen sowie weitere Anwendungen mit nahezu Echtzeitbedarf.
Richtfunk kommt in guten Installationen ebenfalls auf sehr gute Werte, sogar bis auf unter 1 Millisekunde und überträgt bis zu 20 Gigabit pro Sekunde, Werte, die im Idealfall selbst Glasfaser übertreffen können.
Private 5G-Campusnetze erreichen unter Idealbedingungen ebenfalls unter 1 Millisekunde, das öffentliche 5G-Netz im Alltag liegt deutlich darüber, weil ein Großteil der Basisstationen noch im gekoppelten 4G/5G-Betrieb läuft.
Kabel-Business-Tarife liefern bis zu 1.000 Mbit/s im Download, aber nur 50 Mbit/s im Upload, für einseitige Downloads kein Problem, für parallele Videokonferenzen aus mehreren Büros schon. Die Latenz liegt je nach Auslastung des Segments bei 20 bis 60 Millisekunden manchmal sogar deutlich drüber und damit spürbar über Glasfaser, für Telefonie aber ausreichend.
Satellit ist da ganz ähnlich bis langsamer: Starlink Business liegt zwischen rund 20 bis 60 Millisekunden, Eutelsat OneWeb bei 70 bis 140 Millisekunden. Für einzelne VoIP- oder Video-Gespräche reicht das vielleicht, für latenzkritische Anwendungen kann es per Satellit aber schnell eng werden.
Bei Glasfaser klaffen die Kosten auseinander, je nachdem wie weit der Ausbau am Standort fortgeschritten ist. Läuft die Leitung bereits vor dem Gebäude, ist der Hausanschluss während offizieller Ausbaukampagnen oft kostenlos oder kostet meist nicht mehr als 1.000 Euro. Fehlt die Leitung, kosten eigene Tiefbauarbeiten schnell mehr. Endet das Glasfaserkabel im Keller, fallen im Gebäude unter Umständen weitere Arbeiten an, um den Anschluss bis in geeignete Räume zu bringen. Die Betriebskosten sind allerdings günstig: Monatliche Business-Tarife liegen bei 20 bis 80 Euro für 100 bis 1.000 Mbit/s.
Kabel ist ähnlich günstig wie klassisches VDSL, bei höheren Download-Bandbreiten. Business-Tarife liegen regulär bei etwa 45 bis 60 Euro monatlich. Voraussetzung ist aber, dass der Kabelanschluss bereits verlegt ist. In die Fläche wächst das Kabelnetz nicht mehr: Die Zahl der Anschlüsse liegt seit 2021 unverändert bei rund 8,5 Millionen. Die Betreiber modernisieren zwar den Bestand, den nächsten Technologiesprung auf DOCSIS 4.0 planen sie in Deutschland nach übereinstimmenden Branchenberichten jedoch nicht.
Bei Richtfunk sind keinerlei Tiefbauarbeiten notwendig. Im Kern erfolgt eine Sichtprüfung vom Standort zur nächsten Richtfunkstation und eine Antennenmontage auf Dach oder Mast, von wo aus der Anschluss ins Gebäude geführt wird. Für diese exklusive Datenleitung fallen aber monatlich Kosten im drei- oder vierstelligen Bereich an. Dafür sind Bandbreiten bis zu 10 Gbit/s und mehr möglich. Geeignet für größere Unternehmen oder den Anschluss von Logistikzentren, wenn Glasfaser keine Alternative ist oder eine Backupleitung für hohe Ausfallsicherheit über ein alternatives Medium notwendig ist.
Mobilfunk zerfällt kostenseitig in zwei Welten: Eine öffentliche 5G- oder LTE-SIM als Backup kostet kaum mehr als einen Business-Datentarif plus Router. Ein privates 5G-Campusnetz dagegen kostet mehrere Tausend Euro Lizenzgebühr plus Aufbau ab 75.000 Euro für ein Starterkit.
Satellit ist in der Enterprise-Variante ebenfalls teurer als Glasfaser, Mobilfunk oder Kabel: Starlink Business fängt mit dem kleinsten Datenbudget zwar ab rund 40 Euro monatlich an, steigt nach oben gestaffelt aber sofort in den dreistelligen Bereich. Ein Eutelsat-OneWeb-Anschluss über Distributoren liegt bei 800 bis 3.500 Euro monatlich plus 8.000 bis 15.000 Euro für die Hardware. Auch kein Schnäppchen.
Glasfaser ist unempfindlich gegenüber Wetter und elektromagnetischen Störungen. Dadurch gilt die Technologie auch als abhörsicherer gegenüber klassischen DSL-Leitungen. Anders als bei VDSL sinkt die Datenrate nicht mit der Leitungslänge: Glasfaser liefert die gebuchte Bandbreite unabhängig davon, wie weit der Standort vom nächsten Verteiler entfernt liegt. Ein weiterer Pluspunkt ist der geringe Energieverbrauch.
Richtfunk erreicht bei professioneller Planung eine Verfügbarkeit von bis zu 99,995 Prozent, das entspricht rund 26 Minuten Ausfall im Jahr, und gilt wegen des schmal gebündelten Funkstrahls ebenfalls als schwer abzuhören. Sein Schwachpunkt bleibt die Sichtverbindung: Ein neuer Baukran kann die Strecke stören. Gegenüber Wettereinflüssen wie Schnee oder Regen zeigt sich Richtfunk allerdings als unempfindlich.
Mobilfunk wiederum teilt sich die Bandbreite mit allen Nutzern in der Funkzelle. Jede Zelle hat eine feste Kapazität, die sich alle eingebuchten Geräte teilen. Für ein Unternehmen heißt das: Zur Stoßzeiten im dicht besiedelten Gewerbegebiet, z.B. während einer Veranstaltung in der Nachbarschaft, kann die verfügbare Datenrate spürbar einbrechen, ohne dass am eigenen Anschluss etwas defekt wäre. Eine garantierte Bandbreite lässt sich im öffentlichen Netz schwer zusichern.
Satellit hängt stärker vom Wetter ab als alle anderen Technologien: Regen und Schnee dämpfen das Signal. Dafür ist er aber komplett unabhängig von jeder terrestrischen Infrastruktur. Eutelsat OneWeb wirbt zusätzlich mit europäischer Datenresidenz nach DSGVO, ein Argument für Behörden und regulierte Branchen, die auf eine europäische Lösung setzen wollen. Aber auch bei Satellit teilt sich ein Nutzer eine vom Satellit ausgeleuchtete Bodenzelle mit weiteren Nutzern.
Glasfaser und Kabel konzentrieren sich auf Städte und erschlossene Gewerbegebiete. Während das Kabelnetz auf der maßgeblichen Netzebene im Wesentlichen in der Hand zweier Betreiber liegt, Vodafone und Tele Columbus mit der Marke PŸUR, teilen sich mehr als 200 Netzbetreiber einen fragmentierten Glasfasermarkt. Über alle Technologien hinweg konnten Mitte 2025 79 Prozent der Haushalte einen Gigabitanschluss nachfragen, reine Glasfaser stand 44 Prozent zur Verfügung.
Mobilfunk deckt nahezu die gesamte Fläche ab: Für Ende 2026 erwarten VATM und Dialog Consult 96,5 Prozent Flächenabdeckung mit 5G und 99,8 Prozent der Haushalte. Weiße Flecken ohne jede breitbandige Mobilfunkversorgung machen in Deutschland noch rund 1,9 Prozent der Fläche aus, graue Flecken mit nur einem Anbieter 13,3 Prozent.
Richtfunk bleibt an rund 41 Prozent aller Mobilfunk-Antennenstandorte die Anbindungstechnologie, überall dort, wo sich Tiefbau nicht rechnet. Rund 60 Prozent der Standorte hängen an Glasfaser, ein Teil davon nutzt beide Wege parallel.
Satellit ist die einzige Option für Standorte ganz ohne terrestrische Infrastruktur, etwa Baustellen, Almhütten oder Schiffe. Die Zahl der Satelliten-Breitbandanschlüsse in Deutschland stieg 2025 von 83.000 auf 175.000 und hat sich damit mehr als verdoppelt. Gemessen an 38,8 Millionen Breitbandanschlüssen insgesamt bleibt Satellit dennoch eine Nische.
Die eigentliche Entscheidung lautet selten, welche Technologie, sondern welche Kombination. Eine zweite Glasfaserleitung, die durch denselben Kabelgraben läuft wie die erste, ist keine echte Redundanz, ein Bagger legt beide gleichzeitig lahm.
Richtfunk, Mobilfunk oder Satellit laufen über einen komplett anderen Übertragungsweg und schaffen damit tatsächliche Medienredundanz.
In der Innenstadt oder im gut erschlossenen Gewerbegebiet bleibt Glasfaser die richtige Wahl, wo verfügbar, mit Kabel oder noch besser einer Mobilfunk-Lösung als preiswertem Backup.
In Gewerbegebieten ohne Glasfaseranschluss, aber mit freier Sichtverbindung zum nächsten Knotenpunkt, überbrückt Richtfunk die Lücke schneller als jeder Tiefbau und eignet sich zugleich als Redundanzebene für andere Standorte.
An entlegenen Standorten, wie etwa die Baustelle, ein Außenlager oder landwirtschaftlicher Betrieb ohne Netzausbau, bleibt Satellit die einzige Option: Starlink für den Preis, Eutelsat OneWeb, wo Compliance und garantierte Bandbreite wichtiger sind als die Kosten.
Keine dieser Technologien ersetzt eine Ausfallstrategie. Sie ist nur so gut wie die zweite Leitung, die im Ernstfall tatsächlich noch steht.