
Von Stephan Vieth
Cybersecurity 2026

Cybersecurity ist längst kein Randthema der IT mehr. Nahezu jedes Unternehmen ist heute auf eine funktionierende digitale Infrastruktur angewiesen – sei es für den Zugriff auf Cloud-Anwendungen, die Kommunikation zwischen Standorten oder den sicheren Remote-Zugriff aus dem Homeoffice.
Gleichzeitig wächst die Zahl der Angriffe kontinuierlich. Für den initialen Zugang zu Unternehmensnetzwerken spielt die Ausnutzung von Schwachstellen eine zunehmend wichtige Rolle. Ist dieser erste Zugang gelungen, kommen im weiteren Verlauf eines Angriffs häufig kompromittierte Zugangsdaten zum Einsatz. Phishing, Social Engineering und Fehlkonfigurationen bleiben dabei weitere relevante Angriffswege.
Entscheidend ist deshalb nicht nur, den initialen Zugriff zu verhindern, sondern auch die Ausbreitung eines Angreifers innerhalb des Unternehmensnetzwerks konsequent zu begrenzen.
Genau deshalb haben sich auch die Anforderungen an moderne Unternehmensnetzwerke verändert. Neben Bandbreite und Verfügbarkeit sind heute Sicherheit und Transparenz ebenso zentrale Bestandteile einer leistungsfähigen Infrastruktur
Vor einigen Jahren war die Welt vieler IT-Abteilungen noch vergleichsweise einfach. Die meisten Anwendungen liefen im eigenen Rechenzentrum, Mitarbeitende arbeiteten im Büro und eine Firewall schützte den Übergang zwischen internem Netzwerk und Internet.
Heute sieht das anders aus!
Microsoft 365, Azure, AWS oder andere Cloud-Plattformen gehören für viele Unternehmen zum Alltag. Mitarbeitende greifen aus dem Homeoffice, von unterwegs oder direkt beim Kunden auf Unternehmensanwendungen zu.
Hinzu kommen externe Dienstleister, IoT-Geräte oder Produktionsanlagen, die ebenfalls sicher in bestehende Netzwerke integriert werden müssen.
Die Folge: Der klassische Netzwerkperimeter löst sich immer weiter auf. Sicherheit muss deshalb an deutlich mehr Stellen greifen als nur am Internetanschluss.
Mit dem Inkrafttreten des deutschen NIS-2-Umsetzungsgesetzes am 6. Dezember 2025 sind die Anforderungen an die Cybersicherheit für zahlreiche Unternehmen deutlich gestiegen. Damit wird Informationssicherheit noch stärker zur Managementaufgabe: Betroffene Unternehmen müssen geeignete technische und organisatorische Maßnahmen zum Risikomanagement umsetzen und Sicherheitsvorfälle innerhalb definierter Fristen melden.
Zu den relevanten Maßnahmen gehören unter anderem Konzepte zur Zugriffskontrolle und zum Identitätsmanagement sowie der Einsatz von Multi-Faktor-Authentifizierung oder kontinuierlichen Authentifizierungslösungen. Damit gewinnen Themen wie sichere Identitäten, Netzwerksegmentierung, Schwachstellenmanagement und die kontinuierliche Überwachung der eigenen Infrastruktur zusätzlich an Bedeutung.
NIS2 macht damit deutlich: Cybersicherheit ist längst nicht mehr ausschließlich eine technische Aufgabe der IT-Abteilung, sondern Bestandteil der unternehmerischen Verantwortung und einer widerstandsfähigen IT- und Netzwerkinfrastruktur.
Die Grundlage dafür bildet eine sauber geplante Netzwerkinfrastruktur. Unterschiedliche Bereiche wie Office-Netzwerke, Server, Produktionssysteme, Gäste-WLAN oder IoT-Geräte sollten logisch voneinander getrennt werden. Mithilfe von VLANs, Routing-Instanzen oder Virtual Routing and Forwarding (VRF) sowie einer konsequenten Netzwerksegmentierung entstehen eigenständige Sicherheitszonen. Erst darauf aufbauend sorgen Firewall-Regeln oder Access Control Lists (ACLs) dafür, dass ausschließlich autorisierte Kommunikationsbeziehungen zwischen diesen Zonen zugelassen werden.
Gerade bei Ransomware-Angriffen also Schadsoftware zur Verschlüsselung von Daten, spielt diese Segmentierung eine entscheidende Rolle. Gelingt es einem Angreifer, einen Arbeitsplatzrechner zu kompromittieren, bedeutet das nicht automatisch, dass sich Schadsoftware ungehindert bis zu kritischen Servern, Backup-Systemen oder Produktionsnetzen ausbreiten kann. Eine konsequente Segmentierung trägt somit wesentlich dazu bei, die Auswirkungen eines Sicherheitsvorfalls auf einen begrenzten Bereich der Infrastruktur zu reduzieren.
Auch Firewalls haben sich in den vergangenen Jahren stark weiterentwickelt.
Während klassische Firewalls hauptsächlich IP-Adressen, Ports und Protokolle betrachtet haben, analysieren Next Generation Firewalls heute den tatsächlichen Datenverkehr. Sie erkennen Anwendungen unabhängig vom verwendeten Port, prüfen verschlüsselte Verbindungen mittels SSL-Inspection, blockieren bekannte Angriffsmuster über Intrusion Prevention Systeme (IPS) und können anhand von Benutzeridentitäten oder Gerätegruppen unterschiedliche Sicherheitsrichtlinien anwenden.
Dadurch entstehen deutlich feinere Regelwerke.
Statt pauschal HTTPS freizugeben, kann beispielsweise definiert werden, welche Benutzer Microsoft 365 nutzen dürfen, welche Anwendungen erlaubt sind oder welche Dateitypen heruntergeladen werden dürfen. Ergänzend sorgen Web- und DNS-Filter dafür, dass bekannte Schadseiten oder Command-and-Control-Server bereits vor dem eigentlichen Verbindungsaufbau blockiert werden.
Auch die WAN-Infrastruktur entwickelt sich kontinuierlich weiter.
MPLS bildet nach wie vor eine leistungsfähige Grundlage für viele Unternehmensnetze. Gleichzeitig setzen immer mehr Unternehmen auf SD-WAN, um unterschiedliche Zugangstechnologien wie Glasfaser, xDSL oder Mobilfunk intelligent miteinander zu kombinieren.
Dabei geht es längst nicht mehr nur um Lastverteilung oder Bandbreitenoptimierung.
Moderne SD-WAN-Lösungen bauen verschlüsselte Overlay-Netze auf, überwachen permanent Latenz, Jitter und Paketverluste und entscheiden dynamisch, welcher Übertragungsweg für eine Anwendung genutzt wird.
Geschäftskritischer Datenverkehr wie VoIP oder ERP-Systeme kann dadurch priorisiert werden, während weniger kritische Anwendungen alternative Leitungen nutzen.
In Kombination mit zentralen Security-Gateways oder einer SASE-Architektur entsteht eine Plattform, in der Netzwerk und Sicherheit eng miteinander verzahnt sind.
Ein weiterer Wandel betrifft die Art und Weise, wie Zugriffe auf Unternehmensressourcen abgesichert werden. Früher basierten viele Sicherheitskonzepte darauf, von welchem Netzwerk ein Benutzer kam. Wer sich beispielsweise über das Unternehmensnetz oder per VPN verbunden hatte, erhielt häufig weitreichenden Zugriff auf interne Systeme.
Heute stehen dagegen die Identität des Benutzers und der Sicherheitsstatus des Endgeräts im Mittelpunkt. Moderne Authentifizierungsverfahren binden zentrale Identity Provider wie Microsoft Entra ID über Standards wie SAML an. Dadurch lassen sich Anwendungen zentral authentifizieren und Sicherheitsrichtlinien einheitlich umsetzen.
Auch die Multi-Faktor-Authentifizierung hat sich weiterentwickelt. Neben etablierten Verfahren wie Einmalpasswörtern über Authenticator-Apps oder Push-Benachrichtigungen gewinnen zunehmend phishing-resistente Verfahren wie FIDO2 und Passkeys an Bedeutung. Denn auch klassische MFA-Verfahren bieten keinen vollständigen Schutz: Angreifer können beispielsweise versuchen, wiederholte Push-Anfragen auszunutzen oder Authentifizierungsprozesse durch Adversary-in-the-Middle-Angriffe zu manipulieren.
Moderne Authentifizierungskonzepte setzen deshalb verstärkt auf Verfahren, bei denen Anmeldedaten nicht ohne Weiteres auf gefälschten Webseiten abgegriffen oder für andere Dienste wiederverwendet werden können. Gleichzeitig lassen sich diese Verfahren in Cloud- und Hybrid-Umgebungen integrieren und mit weiteren Sicherheitsmechanismen kombinieren.
Nach erfolgreicher Authentifizierung entscheidet eine Sicherheitsrichtlinie, auf welche Anwendungen und Systeme tatsächlich zugegriffen werden darf. Dabei können zusätzliche Faktoren wie Benutzerrolle, Gerätezustand, Standort oder das aktuelle Sicherheitsrisiko berücksichtigt werden. Authentifizierung und Autorisierung werden damit zunehmend als kontinuierlicher, kontextabhängiger Sicherheitsprozess betrachtet.
Auch die beste Infrastruktur schützt nur dann zuverlässig, wenn sie kontinuierlich überwacht wird.
Firewalls, Switches, Access Points und weitere Systeme erzeugen täglich tausende Ereignisse. Moderne Security-Analytics-Plattformen korrelieren diese Informationen und erkennen Auffälligkeiten deutlich schneller als einzelne Logdateien. Ungewöhnliche Login-Versuche, auffällige DNS-Anfragen, Kommunikation mit bekannten Botnetzen oder plötzlich steigende Datenströme lassen sich frühzeitig identifizieren und bewerten.
So können Administratoren reagieren, bevor aus einer Auffälligkeit ein Sicherheitsvorfall wird.
Cybersecurity verstehen wir deshalb nicht als einzelne Firewall oder isolierte Sicherheitslösung.
Unser Ansatz beginnt bereits bei der Planung der Netzwerkinfrastruktur. Gemeinsam mit unseren Kunden entwickeln wir Sicherheitsarchitekturen, die sichere Internetanbindungen, MPLS- oder SD-WAN-Netze, hochverfügbare Firewall-Plattformen, VPN- und Remote-Access-Lösungen sowie zentrale Security Services zu einem ganzheitlichen Konzept verbinden.
Denn am Ende entscheidet nicht eine einzelne Technologie über die Sicherheit eines Unternehmens. Entscheidend ist, wie gut alle Komponenten zusammenarbeiten – von der Standortvernetzung über die Authentifizierung bis hin zum kontinuierlichen Monitoring.
Cybersecurity ist heute kein zusätzlicher Baustein mehr, der nachträglich in ein Netzwerk integriert wird. Sie ist ein grundlegender Bestandteil moderner IT-Infrastrukturen.
Unternehmen, die Netzwerk, Identitäten und Sicherheitsmechanismen gemeinsam betrachten, schaffen nicht nur eine höhere Widerstandsfähigkeit gegenüber Angriffen. Sie schaffen gleichzeitig eine Infrastruktur, die flexibel wächst, hochverfügbar bleibt und zukünftigen Anforderungen gerecht wird.