Was ist FTTC (Fiber to the Curb)?

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Fiber to the Curb (FTTC) – zu Deutsch „Glasfaser bis zum Bordstein“ oder „Glasfaser bis zum Verteilerkasten“ – bezeichnet eine Netzwerkarchitektur für die Breitbandversorgung. Bei diesem Konzept werden Glasfaserkabel vom Vermittlungsstellen-Hauptverteiler bis zu einem grauen Verteilerkasten (Multifunktionsgehäuse) am Straßenrand oder in der Nähe von Gebäudegruppen verlegt.

Die verbleibende Strecke vom Verteilerkasten bis zum Endkunden (die sogenannte „letzte Meile“) wird weiterhin über die bestehenden Kupferleitungen (POTS) oder Koaxialkabel realisiert. FTTC gilt als Brückentechnologie zwischen dem alten reinen Kupfernetz und dem vollständigen Glasfasernetz (FTTH).

Grundlagen & die schrittweise Verlegung

Die Verlegung von FTTC ist eine Antwort auf die extrem hohen Kosten und den zeitlichen Aufwand, der mit der Verlegung von Glasfaser bis in jedes einzelne Haus verbunden ist. Da Glasfaser bereits den Großteil des weltweiten Fernverkehrsnetzes (Backbone) abdeckt, konzentriert sich FTTC auf die lokale Verteilung.

Der Prozess der Verlegung und Anbindung:

  • Glasfaser-Ausbau bis zum Verteiler: Der Netzbetreiber verlegt Glasfaserkabel von der Ortsvermittlungsstelle bis zu den Kabelverzweigern (den grauen Kästen am Straßenrand).
  • Aufrüstung des Verteilerkastens: Der passiver Kabelverzweiger wird oft durch ein Multifunktionsgehäuse (MFG) ersetzt oder erweitert. Hier wird aktive Technik installiert (z. B. ein DSLAM – Digital Subscriber Line Access Multiplexer).
  • Signalumwandlung: Im MFG werden die ankommenden optischen Signale (Licht) in elektrische Signale umgewandelt.
  • Die letzte Meile: Das elektrische Signal wird über die bereits vorhandene Kupferdoppelader des Telefonnetzes in die Wohnungen der Kunden geleitet.

Was sind Vorteile von FTTC?

Obwohl FTTC nicht die Leistungsfähigkeit einer reinen Glasfaserleitung bietet, stellt es einen wichtigen Entwicklungsschritt dar.

  • Kosteneffizienz: Da die teure Neuverkabelung der „letzten Meile“ (Grabarbeiten auf Privatgrundstücken, Hausdurchbrüche) entfällt, ist FTTC deutlich günstiger als FTTH.
  • Schnellere Verfügbarkeit: Bestehende Kupferleitungen werden weitergenutzt, was einen flächendeckenden Ausbau beschleunigt.
  • Bandbreitensteigerung: Durch die Verkürzung der Kupferstrecke (nur noch vom Bordstein bis zum Haus statt von der Vermittlungsstelle bis zum Haus) sind deutlich höhere Geschwindigkeiten möglich als bei klassischem ADSL.

Technische Aspekte

Die Leistungsfähigkeit von FTTC hängt maßgeblich von der Länge und Qualität der verbleibenden Kupferleitung ab. Je kürzer der Weg vom Verteilerkasten zum Modem des Kunden, desto höher die mögliche Datenrate.

  • Übertragungstechniken: Standardmäßig kommt VDSL (Very High Speed Digital Subscriber Line) zum Einsatz.
  • Vectoring & Supervectoring: Um das „Übersprechen“ (Störungen zwischen den dicht gebündelten Kupferadern) zu minimieren, wird Vectoring eingesetzt. Dies erlaubt Geschwindigkeiten bis zu 100 Mbit/s. Mit Supervectoring (VDSL2 Profil 35b) können auf kurzen Distanzen sogar bis zu 250 Mbit/s erreicht werden.
  • Dämpfung: Das physikalische Problem der Signaldämpfung auf Kupferkabeln bleibt bestehen; die Geschwindigkeit nimmt mit jedem Meter Entfernung zum Verteilerkasten ab.

Abgrenzung: FTTC vs. FTTB vs. FTTH

Der wesentliche Unterschied zwischen den FTTx-Architekturen liegt im Endpunkt der Glasfaserleitung und der damit verbundenen Länge der verbleibenden Kupferstrecke. 

Bei FTTC (Fiber to the Curb) endet die Glasfaser bereits am Verteilerkasten am Straßenrand, wodurch die sogenannte „letzte Meile“ über die technisch limitierte Kupferleitung bis ins Haus überbrückt werden muss.

Bei FTTB (Fiber to the Building) wird die Glasfaser näher an den Endkunden herangeführt und reicht bis in den Keller des Gebäudes; lediglich die hausinterne Verkabelung in die einzelnen Wohnungen erfolgt noch über Kupfer, was deutlich höhere Datenraten ermöglicht als bei FTTC.

Die konsequenteste Variante ist FTTH (Fiber to the Home). Hierbei wird das Glasfaserkabel durchgängig bis direkt in den Wohnraum des Nutzers verlegt. Da die bremsende Kupferleitung komplett entfällt, bietet FTTH die höchsten Bandbreiten und gilt als die zukunftssicherste Lösung.

Zukunft der FTTC-Technologie

FTTC wird langfristig als Übergangslösung betrachtet. Die physikalischen Grenzen der Kupferleitung (Dämpfung und Übersprechen) sind weitgehend ausgereizt.

  • Ausbau zu FTTH: In Zukunft werden Netzbetreiber die Glasfaser vom Verteilerkasten (Curb) schrittweise weiter bis in die Gebäude verlängern, um aus FTTC-Netzen echte FTTH-Netze zu machen.
  • Relevanz: Bis zum vollständigen Glasfaserausbau bleibt FTTC jedoch der Standard für die Versorgung der breiten Masse, da es eine akzeptable Balance zwischen Kosten und Bandbreite bietet.