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Case Study Volksbank eG Wolfenbüttel

Das All-IP-Netz für die Finanzbranche


Autor des Beitrags

Thomas Sprenger (1975) ist freiberuflicher Fachautor. Seit zwanzig Jahren befasst er sich mit Informationstechnik, Telekommunikation und dem digitalen Wandel. Nach Stationen in PR-Agenturen und in leitender Position in der Unternehmenskommunikation von Technologieunternehmen lebt er heute als freier Autor und Content-Experte in München.

Die staatliche Bankenaufsicht stellt hohe Ansprüche an die Sicherheit von IP-Netzen. Darum bleiben viele Bankhäuser lieber beim jeweiligen Marktführer. Die Volksbank Wolfenbüttel hat sich stattdessen für Plusnet entschieden. Aus guten Gründen. Die positiven Erfahrungen, die eine andere Genossenschaftsbank, die Volksbank Ulm-Biberach mit den Services des Telekommunikations-Dienstleisters gemacht hat, haben sie in ihrer Entscheidung bestärkt.

Für Finanzinstitute gelten strenge Regeln bezüglich Datenschutz und Informationssicherheit. Bild: © Yuichiro Chino / Getty Images

Leistungen im Überblick

  • MPLS-WAN zur Vernetzung von 27 Filialen und 15 SB-Centern
  • Zusätzliche MPLS-Serviceklassen für Alarming over IP
  • Compliance-konforme Sicherheitsstandards für Genossenschaftsbanken
  • Redundante Anbindung des Cloud-Providers
  • SIP-Trunks für IP-Telefonie über konventionelle TK-Anlage
  • LTE-Notfallkoffer für jede Filiale

Volksbank Wolfenbüttel wechselt mit MPLS-Netz und IP-Telefonie zu Plusnet

Als Traditionshaus mit 120 Jahren Geschichte setzte die Volksbank Wolfenbüttel auch bei der Vernetzung ihrer Filialen bisher auf Bewährtes. Damit waren die Niedersachsen in guter Gesellschaft: Wenn Banken Teile ihrer digitalen Infrastruktur an Dienstleister auslagern, gehen sie lieber auf Nummer sicher. Die meisten beziehen solche Dienste vom jeweiligen Branchenmarktführer, eben weil das die anderen Häuser auch tun. Schließlich unterliegen wenige Branchen in Deutschland derart strengen Auflagen an Datenschutz und Informationssicherheit. Die überwacht die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin). Sie sorgt dafür, dass Finanzinstitute die Vermögenswerte ihrer Kunden gegen alle möglichen Risiken absichern. Dazu gehört eben auch eine „angemessene technisch-organisatorische Ausstattung der IT-Systeme“. Als jedoch der Marktführer bei ITK-Diensten für Genossenschaftsbanken nach großer Fusion den Vertrag für das Weiterverkehrsnetz aufkündigte und zu neuen Bedingungen anbot, machte die Volksbank Wolfenbüttel den Markttest – und entschied sich zum ersten Mal für einen neuen Anbieter.

Finanzbranche im Umbruch: Das Bankgeschäft wird immer virtueller

Der Schritt kam nicht von ungefähr. Ein dichtes Filialnetz und persönliche Nähe sind seit jeher Markenzeichen von Volks- und Raiffeisenbanken ebenso wie von Sparkassen: Trotzdem werde ihr Geschäft immer virtueller, berichtet Marc Urban, Abteilungsleiter Informationstechnologie bei der Volksbank Wolfenbüttel. Das liege nicht nur am Zuwachs im Onlinebanking. „Für die sprichwörtliche Nähe müssen auch unsere Filialen für unsere Kunden über digitale Kanäle erreichbar sein. Dazu bauen wir unsere technische Infrastruktur laufend aus“, erklärt Urban.

Mittlerweile sind Niederlassungen und Selbstbedienungsstationen der Volksbanken zu digitalen Dienstleistungszentren geworden. Vollgepackt mit modernster Technologie tauschen sie Daten mit der Hauptverwaltung und dem Kernbankensystem aus, der zentralen Bankensoftware, die längst in einer besonders gesicherten Cloud innerhalb Deutschlands betrieben wird. „Ohne schnelle und besonders sichere Breitbandnetze können auch Filialen ihre Aufgabe nicht mehr erfüllen“, sagt Urban. Andererseits machen Informationstechnik und Telekommunikation inzwischen den zweitgrößten Kostenpunkt bei Bankimmobilien aus.

„Das hat nur zum Teil mit den besonderen Anforderungen unserer Branche zu tun“, erklärt Urban. Das genossenschaftliche Bankwesen ist in den Regionen verwurzelt und besteht aus einer Vielzahl mittelständischer Häuser mit kleinen IT-Abteilungen. Entsprechend hoch ist die Abhängigkeit von externer Expertise. Doch die kommt meist von konzerngroßen Dienstleistern.

Die mangelnde Augenhöhe hat ihren Preis: So musste das Bankhaus für die Vernetzung seiner Standorte bislang Kosten hinnehmen, die dreißig bis vierzig Prozent über den marktüblichen liegen. Zudem wünschten sich die Wolfenbütteler Breitbandprodukte, die stärker auf den Bedarf kleiner und mittelgroßer Häuser zugeschnitten sind. Für den Ausbau ihrer Digitalstrategie suchte die Volksbank darum mehr Spielraum bei Konditionen und Leistungsumfang. Um in Sachen Sicherheit und Datenschutz kein Risiko einzugehen, holten sich die Wolfenbütteler Verstärkung für dieses Vorhaben.

Die Finanzbranche befindet sich im Umbruch: Das Bankgeschäft wird immer virtueller. Bild: © NatalyaBurova / Getty Images

ITK-Ausschreibungen im Bankensektor

Jürgen Klaus, Geschäftsführer der Stuttgarter ITD Ingenieurgesellschaft für Telekommunikation und Datentechnik, kennt die Branche seit zwanzig Jahren und aus über 150 ITK-Projekten: „Für Banken ist das Netzwerkthema sehr komplex. Die Auflagen und Dokumentationspflichten gehen weit über das Übliche im Telekommunikationsmarkt hinaus.“

Tatsächlich prüft die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht, kurz BaFin, nicht nur die Bücher der Banken, sondern auch die Technik auf Datenschutz und IT-Sicherheit. Eine Arbeitsweise nach internationalen Sicherheits- und Qualitätsstandards wie der ISO-Norm 27001 oder dem IT-Service-Management nach ITIL seien dabei erst der Anfang, so Klaus: „Die Unterschiede reichen bis in die Serviceklassen eines MPLS-Netzes, damit beispielsweise das Signal eines Alarmknopfs bei einem Überfall unter allen Umständen übertragen wird.“ Ebenso müsse jede Filiale bei Sicherheitslücken binnen dreißig Minuten vom Netz sein und manches mehr.

Die größte Herausforderung: Banken und ihre Dienstleister müssen im Detail dokumentieren, wie sie die vier Schutzziele der BaFin hinsichtlich Integrität, Verfügbarkeit, Vertraulichkeit und Authentizität erfüllen. „Kommt das Netz nicht vom üblichen Dienstleister, schaut die Aufsichtsbehörde natürlich ganz genau hin“, so Klaus. Zusammen mit IT-Leiter Marc Urban erstellte die Ingenieurgesellschaft darum ein Pflichtenheft speziell für die Bedürfnisse von Banken.

„Wir haben die Sicherheit, alle Anforderungen des Regulierers zu erfüllen. Zugleich gibt uns das All-IP-Netz von Plusnet die Freiheit, unsere digitale Infrastruktur nach den Bedürfnissen unserer Kunden zu gestalten.“ Marc Urban, Abteilungsleiter Informationstechnologie bei der Volksbank Wolfenbüttel

Der Bedarf: ein sicheres All-IP-Netz für Filialbanken

Im Zentrum der Ausschreibung stand ein All-IP-Weiterverkehrsnetz (WAN), das alle 27 Filialen und 15 SB-Center der Volksbank Wolfenbüttel untereinander sowie mit der Hauptverwaltung verbindet. Der Einsatz des MPLS-Protokolls (Multiprotocol Label Switching) soll dafür sorgen, dass Daten bei hoher Netzlast nach Priorität übertragen werden. So ist sichergestellt, dass etwa der Zugriff auf echtzeitkritische Anwendungen aus der Cloud oder das Absetzen von Alarmmeldungen jederzeit gewährleistet sind. Zudem soll das Netz die Daten verschlüsseln.

Ein weitere Komponente war die redundante Anbindung an die Cloud: Die wichtigsten Softwareanwendungen bezieht die Volksbank mittlerweile aus einer speziellen hochsicheren Banken-Cloud: Die Datenverbindung dorthin ist kritisch für den Geschäftsbetrieb. Die Zuleitung zur Cloud sollte über die Hauptverwaltung laufen sowie über eine Ersatzverbindung an einem Ausweichstandort, der bei starkem Datenaufkommen zudem die Zentrale entlastet.

Des Weiteren wollte die Volksbank Telefongespräche ihrer klassischen Telefonanlagen über IP-Netze mittels SIP-Trunks übertragen. Für den Notfall werden außerdem LTE-Notfallkoffer benötigt, die jeden Standort ersatzweise per Mobilfunk mit der Bank-IT vernetzen.

Überzeugende Referenzen
Auf die Longlist der Anbieter schaffte es Plusnet auch dank der guten Erfahrungen, die die Volksbank Ulm-Biberach mit den Services des Telekommunikation-Dienstleisters gemacht hat. „Das schafft Vertrauen“, sagt der mit der Ausschreibung betraute Unternehmensberater Jürgen Klaus. „Die Genossenschaftsbanken haben sehr spezielle Anforderungen, und die Biberacher Kollegen arbeiten bereits seit neun Jahren erfolgreich mit Plusnet.“

Zusätzliche Serviceklassen für den Bankbetrieb
Auch beim Leistungsangebot konnte Plusnet punkten: „Als einziger Anbieter im Feld bot uns Plusnet zum Beispiel sechs statt vier Serviceklassen für das MPLS-Netz an. Das ist extrem hilfreich: So können wir untern anderem das Alarmmanagement optimal auf dem IP-Netz abbilden, weil wir Alarme als eigene Datenklasse behandeln“, so Klaus.

Telefonie passend zum Notfallkonzept
Auch die Telefonie unterstützt mit Alarming over IP das Notfallkonzept der Volksbank: So überträgt das Standortnetz bei einem Alarm auch ohne Festnetzverbindung die genaue Geoinformation des Auslösepunkts. Andernfalls würden lediglich die Übergabestandorte an die Cloud als Quelle gemeldet und die Einsatzkräfte fehlleiten.

Anbindung an die Banken-Cloud
Obschon die Volksbank ihr Weitverkehrsnetz neu ausschrieb, nutzt sie nach wie vor die Banken-Cloud ihres früheren Netzdienstleisters und die Zuleitung zu dessen Rechenzentrum. Um die Hauptverwaltung in Wolfenbüttel sowie den Ersatzstandort an die Cloud anzubinden, passte Plusnet die Zuleitung in das All-IP-Netz der Volksbank ein. „So integriert sich unser neues Weitverkehrsnetz voll und ganz in unsere bestehende Business-IT“, sagt Urban.

Kostenersparnis von einem Drittel
Auch in punkto Kosten erreichte die Volksbank ihre Ziele: „Preislich liegen wir ein gutes Drittel unterhalb der Kosten unserer früheren Telekommunikationsinfrastruktur“, so Urban. „Plusnet machte nicht das günstigste Angebot, aber bot das beste Preis-Leistungsverhältnis für den Bedarf der Volksbank. Schließlich muss eine Bank neben den Servicepreisen auch die Transformationskosten berücksichtigen, die durch mangelnde Branchenkenntnis oder übersehene Risiken bei anderen Anbietern entstehen“, sagt Klaus.

Ein „fast familiäres Verhältnis“
Neben individuellen Leistungsscheinen für die Bankenbranche und einer deutlichen Kostenersparnis stimmt auch das persönliche Verhältnis für die Volksbank und ihren Berater: „Wir haben einen Dienstleister gefunden, mit dem wir wirklich auf Augenhöhe zusammenarbeiten, und der sehr flexibel auf unsere Wünsche eingeht“, resümiert IT-Leiter Marc Urban. „Das Verhältnis kann man fast als familiär bezeichnen“, ergänzt Unternehmensberater Jürgen Klaus.

Bestnote bei Sicherheit und Dokumentation
Das Meisterstück lieferten Plusnet und die Ingenieurgesellschaft mit dem Betriebs- und Sicherheitshandbuch für das All-IP-Netz der Volksbank. „Das ist das Beste, was aktuell auf dem deutschen Markt zu finden ist“, betont ITD-Geschäftsführer Jürgen Klaus. „Wir haben die Sicherheit, alle Anforderungen des Regulierers zu erfüllen“, sagt Marc Urban. „Zugleich gibt uns das All-IP-Netz von Plusnet die Freiheit, unsere digitale Infrastruktur nach den Bedürfnissen unserer Kunden zu gestalten.“ Aus Sicht des IT-Leiters hat sich das Risiko des Providerwechsels jedenfalls gelohnt: „Plusnet war der einzige Anbieter, der alle Anforderungen in der Ausschreibung erfüllt hat und jetzt in der Praxis nach erfolgreichem Roll-out auch eins-zu-eins umsetzt“, schließt Urban.

Über die Volksbank eG Wolfenbüttel

Die Volksbank Wolfenbüttel ist eine Genossenschaftsbank mit Hauptsitz in Wolfenbüttel. Ihr Geschäftsgebiet umfasst den Landkreis Wolfenbüttel im Osten Niedersachsens, Teile der Stadt Salzgitter sowie Teile der Landkreise Börde, Helmstedt und Peine. 1902 als Allgemeine Spar- und Credit-Genossenschaft gegründet, verschmolz das Institut im Laufe der Jahre mit weiteren Bankhäusern und weitete sein Geschäftsgebiet in der Region kontinuierlich aus. 2016 erfolgte schließlich die Fusion mit der Volksbank Vechelde-Wendeburg und der Volksbank Helmstedt zur Volksbank eG Wolfenbüttel. Das Bankhaus betreut heute mit 406 Angestellten an 27 Standorten und 15 SB-Centern über 100.000 Kunden.

Veröffentlicht am 6. Dezember 2021

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