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Kauf des Glasfasernetzes
von GasLINE
Interview Bernhard Palm


Autor des Beitrags

Thomas Sprenger (1975) ist freiberuflicher Fachautor. Seit zwanzig Jahren befasst er sich mit Informationstechnik, Telekommunikation und dem digitalen Wandel. Nach Stationen in PR-Agenturen und in leitender Position in der Unternehmenskommunikation von Technologieunternehmen lebt er heute als freier Autor und Content-Experte in München.

Im Dezember 2020 hat die EnBW Energie Baden-Württemberg AG mit ihrer Tochtergesellschaft Plusnet GmbH das gesamte aktive Glasfasernetz der GasLINE GmbH & Co. KG übernommen. Dazu gehören bestehende Kunden- und Dienstleistungsverträge aus dem Breitbandgeschäft sowie Mietverträge für Colocation-Flächen. Im Interview erklärt Bernhard Palm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Plusnet GmbH, welche Strategie Plusnet mit dem Kauf des Netzes verfolgt, wie sich die weitere Zusammenarbeit mit GasLINE gestaltet und wie Geschäftskunden von dieser Entscheidung profitieren.

Bernhard Palm, Vorsitzender der Geschäftsführung der Plusnet GmbH

Welchen Teil der Glasfaserinfrastruktur übernimmt Plusnet von der GasLINE?

Plusnet hat die aktive Netzwerktechnik des Glasfasernetzes der GasLINE auf einem Abschnitt von rund 6.500 Kilometern erworben. Sie umfasst bundesweit 40 Standorte für Systemtechnik sowie 12 Telehouses und bildet das künftige Glasfaser-Backbone von Plusnet. Neben der aktiven Netzwerk-Technik übernimmt die Plusnet von der GasLINE auch bestehende Kunden- und Dienstleistungsverträge aus dem Breitbandgeschäft. Zusätzlich mieten wir Rechenzentrumsflächen für die Netzwerk-Hardware und erhalten Zugriff auf 28.000 Kilometer passive Glasfaserinfrastruktur, also damit auf die eigentlichen Lichtwellenleiter.

Was bedeutet „aktives Glasfasernetz“?

Eine Glasfaserinfrastruktur besteht im Wesentlichen aus aktiven und passiven Komponenten. Die Kabelkanäle, Leerrohre und physischen Lichtwellenleiter gehören beispielsweise zum passiven Part. Man spricht auch von „unbeleuchteter“ Infrastruktur. Sie bleibt im Besitz der GasLINE und die Vermarktung erfolgt auch weiterhin durch Gasline. Die aktiven Komponenten verbinden einzelne Leitungen zu einem funktionierenden Netzwerk, über das Daten verschickt werden können. Dazu gehören Systemtechnikstationen, die unter anderem die Lichtsignale in den Glasfaserkabeln über lange Distanzen übermitteln und lenken, sowie Telehouse-Standorte. Die enthalten die eigentliche Übertragungs- und Steuerungstechnik für das Netz.

Wie gestaltet sich das künftige Verhältnis zwischen Plusnet und GasLINE?

Diese Partnerschaft ist auf viele Jahre ausgelegt. Mit ihr vertiefen die Plusnet-Mutter EnBW und die GasLINE ihre Zusammenarbeit. Beide Unternehmen sind seit langem schon gesellschaftsrechtlich miteinander verbunden. Über den Gashandelskonzern VNG AG (mehrheitlichen im Besitz der EnBW) ist die EnBW Mitgesellschafter der GasLINE. Diese strategische Erweiterung unseres Portfolios war möglich, weil die GasLINE das aktive Breitbandgeschäft nicht weiter betreibt. Der Grund ist, dass die Nachfrage nach unbeleuchteter, also passiver Infrastruktur stark steigt. Darum konzentriert sich die GasLINE auf ihr Kerngeschäft: den Bau von passiver Netzinfrastruktur.  Diese Infrastruktur überlässt GasLINE dann ihren Kunden zur Nutzung.

Welche strategischen Ziele verfolgt Plusnet mit der Übernahme des Netzes?

Es gibt vor allem drei Ziele. Das erste ist der Zugang zu Glasfaserinfrastruktur. Den benötigt jeder Netzbetreiber und -vermarkter, der seinen Kunden weiterhin attraktive Angebote machen und langfristig wachsen will. Das gilt für die Festnetze wie für die neuen 5G-Mobilfunknetze, die ohne Glasfaseranbindung der Basisstationen nicht realisierbar sind. Die Glasfaserinfrastruktur ist somit die Basistechnologie für die Digitalisierung.

Und was ist das zweite Ziel?
Das ist der bundesweite Ausbau von Telekommunikationslösungen mit Gigabit-Geschwindigkeit. Seit mehr als zwanzig Jahren zählt die GasLINE zu den führenden Glasfaser-Infrastrukturanbietern in Deutschland. Mit der Übernahme ihrer aktiven Netzwerktechnik erweitert Plusnet ihr bestehendes DSL-Netz um ein zusätzliches Glasfaserbackbone – und das ist hochmodern und bundesweit verlegt. Die langfristige Partnerschaft mit GasLINE bietet uns zudem Zugang zu 28.000 Kilometern passiver Glasfaserinfrastruktur, die wir bei Bedarf anmieten können. Auf dieser Grundlage können wir unser Angebot an hochwertiger und gigabitschneller Telekommunikationslösungen weiter ausbauen – beispielsweise für Carrier, Internet Service Provider (ISPs) und Großkunden im ganzen Bundesgebiet.

Was ist Ihr drittes Ziel?
Open-Access-Plattform für Carrier und Service Provider
Das hängt eng mit dem vorausgehenden zusammen: Neben dem Direktkundengeschäft positioniert sich Plusnet nun im Open-Access-Markt. Bisher lasten viele kommunale und regionale Betreiber ihre Glasfasernetze nur rund zur Hälfte aus. Anders als bei DSL ist der Markt für Glasfasernetze fragmentiert und kleinteilig. Es gibt viele lokale Glasfaserinseln. Eine Ursache sind Transaktionskosten für die Verhandlung von Einzelverträgen und  die technische Organisation. Das macht es lokalen Anbietern schwer, ihre Infrastruktur zusätzlich als Vorleistungsprodukt über Open Access an Dritte zu vermarkten und somit ihre Auslastung zu erhöhen.

Auf Basis unseres Glasfaser-Backbones bieten wir eine bundesweite Open-Access-Plattform. Unser Ansatz umfasst die technische Netzzusammenschaltung und eine Order-Schnittstelle, über die Teilnehmer ihre Geschäftsprozesse und Vertragswerke automatisiert abwickeln können. Jeder Akteur, ob lokaler Netzbetreiber oder Service Provider, muss nur einen einzigen Vertrag mit unserer Plattform abzuschließen. Er kann dann sofort mit allen Marktteilnehmern kooperieren und erhält standardisierte Schnittstellen und Prozesse.

Gibt es eine Übersicht über das erworbene Netz?

Wir haben eine grafische Übersicht über unsere neue Glasfaserinfrastruktur erstellt.

Wie profitieren die Kunden der Plusnet davon?

Unser Next-Generation-Glasfasernetz überträgt Daten bis zu 100 Gigabit schnell und das bei sehr geringer Latenz. Auf dieser Infrastruktur können wir unseren Kunden im ganzen Bundesgebiet Dienste mit durchgängig höheren Bandbreiten anbieten und mit deutlich größerem Mehrwert als je zuvor. Hierbei setzen wir auf einen breiten Technologiemix von Glasfaser, über DSL, Richtfunkstrecken bis hin zu WAN-Vernetzung mit MPLS und SD-WAN. Auch komplexe Vernetzungsszenarien bilden wir ganzheitlich über unsere eigene Infrastruktur ab. Das ermöglicht unseren Kunden anspruchsvolle Echtzeitanwendungen für Industrie 4.0, Big Data-Anwendungen, digitales Arbeiten in der Cloud bis hin zur synchronen Spiegelung ganzer Rechenzentren.

Schon ab diesem Jahr schaffen wir zudem neue Angebote für Stadtwerke, Kommunen und Internet Service Provider (ISP). Über unsere Open-Access-Plattform vereinfachen wir die branchenweite Kooperation unter Carriern und Vermarktern. Als erfahrener Telekommunikationsnetzbetreiber unterstützen wir dabei kommunale und regionale Anbieter auch beim Netzbetrieb, bei der Vermarktung und beim Kundendienst. Ein Stadtwerk beispielsweise kann Unternehmen seiner Region über unser Backbone sogar eine deutschlandweite Standortvernetzung anbieten. Unsere Kunden erhalten diese Leistungen künftig alle aus einer Hand.

Wo können Interessenten diese Produkte anfragen, wann beginnt die Vermarktung?

Plusnet ist breit aufgestellt: Interessenten können sich an unseren Direktvertrieb und an unsere Vertriebspartner wenden. Der Leistungsumfang unseres Angebots wächst – mit bewährter Qualität und unserem Serviceversprechen.

Ab März informieren wir unsere gesamte Organisation. Ab diesem Zeitpunkt informieren unsere Partner unsere Bestandskunden über die neuen Möglichkeiten des bundesweiten Glasfasernetzes von Plusnet. Die Vermarktung für unser neues Backbone startet im März 2021.

Veröffentlicht am 9. März 2021

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