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Was ist eigentlich
ein SIP-Trunk?


Autor des Beitrags

Andreas Steinkopf ist als Produktmanager für Voice-Produkte der Plusnet GmbH tätig. Steinkopf hatte an der RWTH Aachen Elektrotechnik studiert und war nach 20 Jahren Erfahrung im Hardwarebereich (Modems, ISDN-Karten) 2001 zur QSC AG gekommen, aus der 2018 die Plusnet GmbH hervorging. Dort integrierte er zunächst die zugekauften Töchter Ginko AG und ISB samt ihrer Produkte. Ab 2005 widmete er sich während des Aufbaus des NGNs der neuen IP-Telefonie und führte neben SIP-Trunks erste hosted und Software-basierte TK-Anlagen im Markt ein. Neben dem Produktmanagement engagiert er sich in SIP-Protokoll-Gremien. Ihn interessiert besonders das Thema Qualität, weshalb er zum Beispiel in IP-VPNs QoS-Mechanismen mit bis zu sechs Class of Services einführte.

Wer sich mit Voice-over-IP und IP-Telefonanlagen beschäftigt, der stößt früher oder später auch auf den Begriff SIP-Trunk. Dabei handelt es sich nicht um das neueste In-Getränk der Informatiker-Szene, sondern um eine Technik, mit der IP-basierte Telefonanlagen über nur einem einzigen VoIP-Sprachanschluss viele Rufnummern verwalten können.

Verehrte Leserinnen und Leser: Seit dieser vielbeachtete Artikel im Jahr 2010 erstmals erschien (er war in der ersten Fassung von meinem damaligen Kollegen Dennis Knake verfasst worden), hat sich beim Thema SIP-Trunking viel getan. Mit einigen Aktualisierungen haben wir dafür gesorgt, dass Ihnen der Text nach wie vor eine hoffentlich hilfreiche Einführung in das Thema gibt.

Vorweg eine kleine Begriffseinordnung

Das Kürzel „SIP“ steht für Session Initiation Protocol – ein im Jahr 1996 geborenes Internet-Protokoll, das festlegt, wie Telefonate über Internetverbindungen technisch vonstatten gehen sollen. „trunk“ ist das englische Wort für Bündel – hier im Sinne von Bündelung.

Und genau um diese Bündelung geht es hier: Bei einem Standard-SIP-Account benötigt man für jedes einzelne Endgerät und seine Rufnummer einen eigenen Account mit Benutzername und Passwort. SIP-Trunking hingegen ermöglicht mit nur einem Account die direkte Durchwahl (Direct Dial In) auf viele Endgeräte mit jeweils eigenen Durchwahlnummern: So genanntes „SIP-DDI“ – und das macht vieles einfacher.

Als der Telefonanschluss ins Internet ging

Noch bis zur ersten Dekade dieses Jahrhunderts betrieben viele Unternehmen IP-basierte Sprachtelefonie nur netzintern im Unternehmen. Die Telefonanlage selbst war – wie früher üblich – über einen klassischen S2M-Anlagenanschluss mit dem Carrier verbunden. Als dann die ersten echten Lösungen angeboten wurden, mit denen die Sprache auch beim Carrier bzw. beim Internet Telephony Service Provider (ITSP) über IP transportiert wurde, konnte man die IP-Anlagen der ersten Generation mit einem so genannten „Integrated Access Device“ (IAD) fit für die IP-Kommunikation nach außen machen.

SchaubildIP-Telefonanlagen im Einsatz
IP-Telefonanlagen im Einsatz: Zunächst fand IP-Telefonie nur im lokalen Netzwerk statt, darauf folgte die Migrationslösung mit IAD als „Übersetzer“ und schließlich heute der vollwertige Ersatz dank SIP-Trunking und moderner, voll IP-basierter Telefonanlage. In dem hier gezeigten Beispiel wird ein Anrufer im klassischen Telefonnetz (PSTN) kontaktiert. Das hier gezeigte Mediagateway ist ein Bestandteil des NGN des ITSP und konkret von Plusnet und „übersetzt“ die Sprachdaten von IP in das PSTN. Grafik: © Andreas Steinkopf / Plusnet GmbH.

Erst mit der Einführung vollwertiger IP-Telefonanlagen wurde diese Zwischenlösung überflüssig. Nun stand man jedoch vor einem neuen Problem: Das SIP-Protokoll war so gestrickt, dass man sich pro Rufnummer mit einem eigenen Account am SIP-Server des ITSP anmelden musste. Das hat die Verwaltung der einzelnen Endgeräte je nach Menge relativ mühsam gemacht.

Natürlich lassen sich auch SIP-Einzel-Accounts mit einer IP-Telefonanlage verwenden. Die eigenständige Erstellung von Rufnummernplänen und Zuweisung von Durchwahlrufnummern unterschiedlicher Länge aber, beispielsweise eine Ziffer „0“ für die Zentrale und drei Ziffern für die Einzelanschlüsse, erzeugen mit herkömmlichen SIP-Accounts einfach einen zu großen Administrationsaufwand und eine große Registrierungslast auf der TK-Anlage.

SIP-DDI macht IP-Telefonanlagen durchwahlfähig

Plusnet (bis 2018: QSC AG) hat sich daher bereits 2006 mit Herstellern von IP-basierten Telefonanlagen zusammengetan und das SIP-Protokoll auf einer offenen Basis und in strenger Anlehnung an die ITU-Normen weiterentwickelt. Herausgekommen ist das SIP-DDI-Protokoll, das Plusnet heute mit seinem Produkt IPfonie Extended, dem Anlagenanschluss für IP-basierte Telefonanlagen, nach wie vor anbieten kann. Viele Namhafte Hersteller wie Aastra, Auerswald, Avaya oder Swyx haben viele ihrer Anlagen für das SIP-DDI-Protokoll zertifiziert.

Mit SIP-DDI wird die Verwaltung der Nebenstellenanschlüsse – sprich der Durchwahlrufnummern – ganz der IP-Telefonanlage übergeben. Diese registriert sich bei der Anmeldung für eine Rumpf-Rufnummer und einen Durchwahlrufnummernblock beim ITSP. Dank SIP-DDI muss heute deutlich weniger konfiguriert werden. Eine Vor-Ort-Installation eines IAD entfällt sowieso.

Auch die bisherige Stufung herkömmlicher S2M-Anschlüsse in 30er-Schritten bei der Anzahl der Sprachkanäle entfällt: Da es sich bei SIP-DDI um logische Accounts handelt, ist die Anzahl der vermietbaren Sprachkanäle im Prinzip in Einzelschritten einstell- und erhöhbar. Das gibt den Unternehmen mehr Flexibilität bei der Planung ihrer Telefonanlage. Die nutzbare Anzahl an Sprachkanäle hängt jetzt nur noch von der verfügbaren Bandbreite des Anschlusses und der Einstellung auf TK-Anlagen- und Carrier-Seite ab.

SIPconnect-Protokoll

Da SIP-Trunking weltweit stark an Bedeutung gewann, etablierte sich in Amerika das sogenannte SIPforum, das einen Protokoll-technisch noch weiter entwickelten Standard für SIP-Trunks definierte – das SIPconnect-Protokoll. Die dann weit verbreitetet Implementierung des Protokolls „SIPconnect 1.1“ wurde daraufhin vom Branchenverband BITKOM mit einem Präzisierungsdokument auch für Deutschland gefestigt.

So konnte Plusnet in 2013 dann auch seinen darauf basierenden SIP-Trunk „IPfonie Extended Connect“ in den Markt einführen und damit seinen ersten „Mehrstandort“-SIP-Trunk: SIPconnect 1.1 sieht vor, dass der ITSP der Kunden TK-Anlage mit nur einem logischen SIP-Trunk die Rufnummernblöcke und Einzelrufnummern vieler Kundenstandorte zuführen kann. Dies vereinfacht eine TK-Anlagen-Zentralisierung ungemein und spart weitere Kosten.

Qualität und Sicherheit: SIP versus ISDN

Besonders für Unternehmen und Organisationen mit erhöhtem Sicherheitsbedarf ist interessant, dass SIPconnect 1.1 auch eine vollständige Verschlüsselung der SIP-Signalisierung – mit TLS – und der SIP-Sprachdaten – mit SRTP – vorsieht. Wurde ISDN manchmal noch als „sicherer“ als SIP tituliert, muss dieses Prädikat durch die TLS/SRTP-Verschlüsselung nun endgültig dem SIP-Trunk zugesprochen werden.

Sicherheit ist auch die Betriebs- bzw. Ausfallsicherheit, die man anfangs noch eher der ISDN- als der (S)IP-Technik zusprach. Beim SIP-Trunking kann man jedoch sowohl auf der IP-Übertragungsleitung eine Redundanz nutzen, z.B. über IP-Backup oder SD-WAN. Als auch auf der SIP-Ebene eine Redundanz sowohl auf der Kunden- als auch ITSP-Seite bei den SIP-Trunk terminierenden Übertragungskomponenten, wie insbesondere den sich immer mehr etablierenden Session Border Controllern (SBC).

Und noch etwas kann ein SIP-Trunk besser als die alte ISDN-Technik: TK-Anlagen mit einem SIP-Trunk -Sprachanschluss können mit ebenfalls IP-basierten Gegenstellen eine bessere Sprachqualität aushandeln, als bei ISDN üblich: unterstützen beide den sogenannten G.722-Codec – gerne Marketing-technisch auch „HD-Voice“ genannt – können sich die Telefonierer über die doppelte Audio-Bandbreite freuen, die gerade „f“- und „s“-Laute deutlich verständlicher macht.

Zuletzt aktualisiert am 9. Dezember 2020

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